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Offizielle Webseite des Bund Deutscher Radfahrer e.V.
Veröffentlicht am
21.07.2021 17:03:55

Road to Tokio: Ludwig will ihren Teamkolleginnen zum Erfolg verhelfen

Hannah Ludwig startet bei ihren ersten Olympischen Spielen. Foto: BDR
Hannah Ludwig startet bei ihren ersten Olympischen Spielen. Foto: BDR

Frankfurt (rad-net) - Am 23. Juli werden die Olympischen Spiele von Tokio eröffnet. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wird in den vier Disziplinen, Bahn, BMX, Mountainbike und Straße um Olympisches Edelmetall kämpfen. Hier stellen wir alle Olympia-Kandidaten des BDR vor. In der heutigen Folge präsentieren wir Hannah Ludwig, die für das Straßenrennen der Frauen nominiert wurde.

Hannah Ludwig konnte es gar nicht glauben, als ihr die Olympia-Nominierung ins Haus flatterte. Eine Verwechslung? Nein. Sie hat es tatsächlich ins Aufgebot geschafft. Nur vier Sportlerinnen werden das Straßenrennen bestreiten, und eine von ihnen ist die 21-Jährige von der Mosel.

Geboren in Heidelberg, zog die Familie schon bald nach Traben-Trarbach, wo Hannah aufwuchs und bald ihre Leidenschaft fürs Radfahren entdeckte. Inzwischen lebt sie aber in Paderborn, wo es sie der Liebe wegen hin verschlagen hat. Ihr Freund ist ebenfalls Rennfahrer. Mit Johannes Hodapp vom Team SKS-Sauerland NRW lebt sie seit einiger Zeit zusammen.

Schon als Jugendfahrerin war Hannah Ludwig Weltklasse: Deutsche Meisterin im Einzelzeitfahren, fast 30 Siege holte sie in der Klasse U17. Und so ging es auch bei den Juniorinnen weiter: 2018 war sie Zweite bei den Zeitfahr-Europameisterschaften, Dritte im EM-Straßenrennen der U19, im gleichen Jahr holte sie den DM-Titel im Zeitfahren, am Berg und im Einer-Straßenrennen und glänzte im ersten Jahr in der Klasse U23 als Europameisterin im Zeitfahren. Diesen Titel verteidigte sie im letzten Jahr erfolgreich. «Ich mag das Zeitfahren sehr. Man kann sich gut darauf vorbereiten, muss gar nicht an die Konkurrenz denken, sondern nur einen perfekten Lauf haben», sagt die 21-Jährige, die im dritten Jahr bei Canyon-Sram unter Vertrag steht und in den ersten Rennen der Eliteklasse als Helferin einen guten Job machte. Anfangs fiel es ihr schwer, sich im großen Feld zu bewegen. Die Starterzahlen in einem Frauenrennen sind um einiges größer als in den Nachwuchsklassen. Da musste sie sich durchbeißen, ihren Platz erkämpfen. «Ich habe schnell gelernt, dass einem in der WorldTour keine Platz macht», sagt sie und berichtet stolz, dass sie sich trotz langer Corona-Pause gut weiterentwickelt hat.

Hannah Ludwig ist trainingsfleißig, opfert sich für andere und ist glücklich, wenn das Team gewinnt, wie kürzlich in der Belgien-Rundfahrt. Dort verhalf sie Teamkollegin Alena Amialiusik zum Sieg, wurde selbst nur 28. und freute sich hinterher riesig über den Erfolg der Mannschaft. «Das war eines der besten Rennen, das ich je gefahren bin», sagt sie. Und sie ist ein Teamplayer. «Sie setzt schnell um, was man ihr sagt. Ihr fehlt natürlich noch die Stärke und die Konstanz für längere Distanzen. Aber das kommt. Ich bin sehr zufrieden mit ihr», sagt Teamchef Ronny Lauke.

Bei den Deutschen Straßenmeisterschaften in Stuttgart hat sie in diesem Jahr eine gute Visitenkarte abgegeben, war Dritte im Zeitfahren und Fünfte im Straßenrennen. Das gab dann endgültig den Ausschlag für ihre Olympia-Nominierung. Sollte Lisa Klein oder Lisa Brennauer unerwartet für den Kampf gegen die Uhr ausfallen, steht Hannah Ludwig bereit.

Geplant ist aber erst mal nur der Einsatz im Straßenrennen, wo sie entweder Lisa Brennauer oder Liane Lippert zu einer Medaille verhelfen will. «Ich habe mir den Kurs schon mal im Internet angesehen. Sehr hart, ziemlich bergig, aber ich glaube er liegt mir», sagte sie vor dem Abflug nach Tokio. «Ich werde im Rennen helfen wie verrückt», macht sie ihre große Motivation deutlich, und freut sich über die Chance bei den Olympischen Spielen zu starten. Dieses Vertrauen wird sie nicht enttäuschen und alles geben, bis zum letzten Meter. «Ich hoffe, dass wir am Ende sagen können, es war ein gutes Rennen. Zusammen können wir sehr stark sein. Ich glaube, dass wir gut harmonieren und hoffentlich auch ein gutes Resultat einfahren werden.»

Zehn Fragen an Hannah Ludwig

Was war dein bisher schönster sportlicher Erfolg?
Für ein Profiteam zu fahren und meine Teamkolleginnen gewinnen sehen und natürlich auch als ich U23 Europameisterin im Zeitfahren wurde.

Was motiviert dich?
Ich liebe Radfahren und kann einfach nicht zu viel fahren. Wenn ich mal keine Lust habe, dann mache ich gerne ein Abenteuer.

Welche Vorbilder hast du?
Meine Familie.

Deine Lieblingsfächer in der Schule?
Die ehrliche Antwort wäre wohl, dass ich nie wirklich gerne in die Schule gegangen bin, aber Biologie war mit Abstand das beste Fach.

Was ist dein Lieblingsessen?
Erbeeren.

Nenne deine persönliche Stärke/Schwäche:
Ich bin super ungeduldig, und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ist es schwer, mich davon abzuhalten. Dafür würde ich sagen, dass man mich mit der richtigen Didaktik für fast alles begeistern kann.

Auf was möchtest du nie verzichten?
Auf mein Fahrrad.

Welchen Traum möchtest du dir im Leben noch erfüllen?
Glücklich zu sein.

Was ist für dich ein perfekter Tag?
Zeit mit meiner Familie und Johannes zu verbringen, Radfahren und gutes Wetter dabei haben.

Welche Überschrift möchtest du gern einmal von dir lesen?
Hannah Ludwig fährt die Tour de France der Frauen.


Steckbrief Hannah Ludwig

Team: Canyon-Sram
Geburtstag: 15.2.2000 in Heidelberg
Größe/Gewicht: 1,65 m/55 kg
Wohnort: Traben-Trarbach und Paderborn
Größte Erfolge:
2017: 2. U19-DM Straße, 2. U19-DM Zeitfahren, 5. U19-EM Zeitfahren, 1. Gesamtwertung Rad-Bundesliga U19, 4. U19-WM Zeitfahren, 15. U19-WM Straßenrennen
2018: 2. U19-EM Zeitfahren, 3. U19-EM Straßenrennen, Deutsche Meisterin Straße, Zeitfahren und Berg
2019: Europameisterin Einzelzeitfahren U23, 1. Nachwuchswertung BeNe Ladies Tour
2020: Europameisterin Einzelzeitfahren U23
2021: 3. DM Einzelzeitfahren, 5. DM Straße