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Offizielle Webseite des Bund Deutscher Radfahrer e.V.
Veröffentlicht am
20.11.2020 13:09:29

Lennard Kämna: «Erwartungen steigen immer mit dem Erfolg»

Lennard Kämna beim Training in der Saisonpause - gerne auch mal auf dem Crossrad. Foto: privat
Lennard Kämna beim Training in der Saisonpause - gerne auch mal auf dem Crossrad. Foto: privat

Bremen (rad-net) - Lennard Kämna schaut mit dem Saisonende 2020 auf eine erfolgreiche Wettkampfzeit zurück. Neben der zweiten Teilnahme an der Tour de France, feierte der Fahrer von Bora-Hansgrohe im Sommer seine ersten zwei Profisiege, als er zuerst die vierte Etappe des Critérium du Dauphiné und ein paar Wochen später eine Etappe der Tour gewinnen konnte. Im Interview mit «Buten un Binnen» sprach der 24-Jährige jetzt über die Highlights seiner Saison sowie mögliche Pläne für die Zukunft.

Trotz der beachtlichen Erfolge der vergangenen Monate berichtete Kämna im Gespräch, dass sich sein Leben kaum verändert habe: «Der Etappensieg hat mir sicherlich hier und da ein paar Türen geöffnet und mir mehr Aufmerksamkeit verschafft. Aber im Großen und Ganzen ist nach der Tour alles wieder beim Alten». Ihm selbst sei der Erfolg sogar erst Wochen nach der Frankreich-Rundfahrt bewusst geworden, sodass er im Nachhinein noch einmal mit Familie und Freunden angestoßen habe.

Dabei war der Weg zum Ziel insbesondere bei der Tour de France alles andere als einfach für das deutsche Talent. Zuerst stürzte Kämna in der ersten Woche der Rundfahrt dreimal und kam dann wenige Tage vor seinem eigenen Etappensieg knapp als Zweiter ins Ziel. Den Traum vom eigenen Erfolg habe er danach aber nicht aufgegeben: «Nach meinem zweiten Platz habe ich gedacht, dass ich eine gute Chance habe, eine Etappe zu gewinnen. Ich wollte mich nicht hängen lassen, nur weil ich hätte gewinnen können. Danach war ich eigentlich noch heißer als vorher.»

Auch die Stürze der ersten Woche habe er Dank der guten Versorgung durch den Mannschaftsarzt schnell hinter sich lassen können. «Wenn man direkt zu Beginn stürzt, dann ist die erste Woche natürlich besonders ekelig. [...] Wir haben das aber relativ schnell in den Griff bekommen und die Verletzungen täglich desinfiziert und neu bandagiert. Von daher war ich da in den besten Händen», berichtete Kämna weiter. Die Stürze seien ein Teil des Radsports und deshalb seien er und seine Familie an gefährliche Situationen gewöhnt, nur eine könne damit nicht so gut umgehen: «Meiner Oma gefällt das natürlich nicht so, die kann sich das nicht wirklich angucken.»

Bereits seit der Zeit in der Jugend erkennen die Experten Kämna als eins der größten Nachwuchstalente des deutschen Radsports an. Nach seinen ersten Profierfolgen sind nun auch Stimmen laut geworden, die ihn als potenziellen Klassementsfahrer bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt sehen. «Ich denke, Erwartungen steigen immer mit dem Erfolg, den man hat. [...] Ich weiß, dass es noch ein weiter Weg ist, um bei einer Grand Tour vorne mitzufahren und von daher versuche ich, mich nicht stressen zu lassen und nehme es, wie es kommt», wehrte Kämna die Erfolgsversprechen der Experten ab.

Stattdessen formulierte der Fahrer seine eigenen Ziele für die kommende Saison deutlich bescheidener. Er wolle mindestens in das Niveau von der Tour zurückfinden, aber am liebsten noch ein bisschen besser sein. Konkrete Pläne benannte der Fahrer dabei nicht: «Das wird sich zeigen, wenn der Rennplan erscheint.»

Kämna trainiert derzeit im Blockland bei Bremen oder bei seiner Freundin im Sauerland, wobei er zurzeit noch nach Lust und Laune fahre: «Am Wochenende, wenn ich eine Trainingsgruppe habe, dann knapp drei Stunden, unter der Woche ist es dann weniger, so zwei Stunden oder manchmal auch nur eine.» Jetzt könne er das noch genießen, bis es ab nächster Woche wieder «seriöser» werde und die ernsthafte Saisonvorbereitung beginne.