Offizielle Webseite des Bund Deutscher Radfahrer e.V.
Veröffentlicht am
26.01.2022 13:41:03

Cross-WM: Wer wird Nachfolger von Van der Poel?

Titelverteidiger Mathieu van der Poel (re.) wird in Fayetteville nicht starten. Foto: David Stockman/BELGA/dpa
Titelverteidiger Mathieu van der Poel (re.) wird in Fayetteville nicht starten. Foto: David Stockman/BELGA/dpa

Fayetteville (rad-net) - Am Wochenende finden die Querfeldein-Weltmeisterschaften in Fayetteville im US-Bundesstaat Arkansas statt. Mit Spannung wird vor allem bei den Männern und Frauen erwartet. Insgesamt stehen 188 Fahrerinnen und Fahrer auf der Meldeliste; der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) startet mit sechs Athletinnen und Athleten.

Bereits zu Beginn der Cross-Saison 2021/2022 war Fayetteville Schauplatz des Weltcups, quasi als Generalprobe. Dort konnten die amtierende Weltmeisterin Lucinda Brand und Quinten Hermans die Siege feiern. Hermans wird allerdings bei den Titelkämpfen nicht am Start sein, nachdem ein Coronatest im Vorfeld positiv ausgefallen war.

Nachdem Titelverteidiger Mathieu van der Poel und Wout van Aert auf eine Teilnahme verzichten, dürfte das WM-Rennen der Männer so spannend wie schon lange nicht mehr sein. Eigentlich wird Mountainbike-Olympiasieger Tom Pidcock als Topfavorit gehandelt, doch unter anderem am vergangenen Wochenende war beim Weltcupfinale in Hoogerheide (Niederlande) zu sehen, dass der Brite schlagbar ist. Neben Pidcock gehören so auch Weltcup-Gesamtsieger und Hoogerheide-Gewinner Eli Iserbyt (Belgien), seine Landsleute Toon Aerts, Michael Vanthourenhout sowie Europameister Lars van der Haar (Niederlande) zu den Titelanwärtern. Medaillenchancen kann sich auch Laurens Sweeck (Belgien) ausrechnen. Der Deutsche Meister Marcel Meisen, der mit 16 Teilnahmen übrigens die meisten WM-Starts im Feld der Männer hat, hofft auf eine Top Ten-Platzierung.

Bei den Frauen dürfte was die Titelvergabe angeht kein Weg an der niederländischen Übermacht vorbeiführen - die Frage ist am Ende nur, welche von ihnen steht ganz oben auf dem Treppchen? Vorjahressiegerin Lucinda Brand feierte den Sieg im Gesamtweltcup, doch Marianne Vos gewann das letzte Rennen in Hoogerheide. Dahinter dürfte das Rennen relativ offen sein, denn ein komplett niederländisches Podium nach den krankheitsbedingten Ausfällen von Denise Betsema und Annemarie Worst ist eher unwahrscheinlich. Kata Blanka Vas (Ungarn) holte diese Saison als einzige Nicht-Niederländerin einen Weltcupsieg und hat gute Chancen auf Edelmetall. Mit Ex-Weltmeisterin Sanne Cant (Belgien) muss auch stets gerechnet werden. Und was ist Silivia Persico (Italien) zu leisten imstande? Magalie Rochette (Kanada) könnte auch für eine Überraschung sorgen. Der einzigen deutschen Starterin Elisabeth Brandau ist, wenn alles gut läuft, ein Top-Ten-Platz zuzutrauen.

Bei den Männern U23 gibt es keinen ganz klaren Favoriten. Mit Titelverteidiger Pim Ronhaar, Mees Hendrikx (Niederlande), Cameron Mason (Großbritannien), und Emiel Verstrynge (Belgien) gab es in vier Weltcupläufen vier unterschiedliche Sieger. Bei der Europameisterschaft Anfang November gab es zudem mit Ryan Kamp noch einen weiteren Sieger. Allen fünf ist auch der Sieg bei der WM zuzutrauen. Für Thibau Nys - wenn er sich rechtzeitig von seinen Sturzverletzungen erholt hat -, Niels Vandeputte, (Belgien) und Loris Rouiller ist ebenfalls ein Podestplatz möglich. Für den Deutschen U23-Meister Pascal Tömke wäre eine Top-20-Platzierung ein Erfolg.

Bei den Frauen U23 wird ein äußerst spannendes Duell zwischen den beiden Niederländerinnen Puck Pieterse und Fem van Empel erwartet. Van Empel hat den Vorteil, dass sie diese Saison sogar schon zwei Elite-Weltcups für sich entscheiden konnte, während Pieterse sich mit einer Reihe von zweiten und dritten Plätzen zufriedengeben musste. Die dritte im Bunde ist ihre Landsfrau Shirin van Anrooij. Alle weiteren Starterinnen - auch die beiden Deutschen Judith Krahl und Clea Seidel - sind eher Außenseiter.

Aus deutscher Sicht könnte auch das Rennen der Junioren interessant sein, denn dort könnte Silas Kuschla an einem guten Tag auch in Richtung Top-Ten fahren. Beim Telenet Superprestige in Gieten etwa schrammte er am Sieg nur knapp vorbei - und wurde nur vom Dominator der aktuellen Saison, David Haverdings (Niederlande) geschlagen. Haverdings dürfte auch in Fayetteville der Fahrer sein, den es zu schlagen gilt, nachdem er in diesem Winter alle Weltcuprennen gewinnen konnte - lediglich bei der EM musste er gegen Aaron Dockx (Belgien) eine Niederlage hinnehmen. Dahinter hat neben Dockx eine Reihe von Fahrern Medaillenchancen, wie etwa Louka Lesueur, Corentin Lequet (Frankreich), Nathan Smith, Ben Aksey (Großbritannien), Kenay de Moyer, Viktor Vandenberghe (Belgien) und Luca Paletti (Italien).

Bei den Juniorinnen gibt es zwei ganz klare Favoritinnen: Zoe Backstedt (Großbritannien) für Gold und Leonie Bentveld (Niederlande) für Silber. Bei allen U19-Rennen bei denen Backstedt am Start stand, überquerte sie als Erste den Zielstrich. Die Straßen-Weltmeisterin der Juniorinnen konnte zudem drei Elite-Rennen für sich entscheiden; jedoch bleibt noch abzuwarten, wie sie ihre kürzlich überstandene Coronainfektion verkraftet hat. Bentveld konnte ebenfalls den ein oder anderen Sieg für sich verbuchen. Um Bronze fahren unter anderem Lauren Molengraaf (Niederlande), Federica Venturelli, Valentina Corvi (Italien) und Katerina Hladiková (Tschechien). Eine Deutsche ist in der U19 nicht am Start.

Bereits am Freitag, dem 28. Januar, findet der Testlauf zur Staffel statt, die künftig ins WM-Programm aufgenommen werden könnte. Nach derzeitigem Stand werden fünf Nationen den Wettkampf aufnehmen. Belgien dürfte Favorit sein, die USA, Kanada, Frankreich und Tschechien fahren um die weiteren Podiumsplätze.

Am Samstag, um 11 Uhr Ortszeit (18 Uhr deutscher Zeit) fällt der Startschuss zum Rennen der Juniorinnen. Um 13 Uhr gehen die Männer U23 auf die Strecke und der erste WM-Höhepunkt wird erreicht, wenn ab 14:30 Uhr die Frauen die Medaillen ausfahren. Am Sonntag fahren ab 11 Uhr die Junioren um die Titel, um 13 Uhr folgen die Frauen U23 und ab 14:30 Uhr kommt es zum großen Showdown der Männer.