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Offizielle Webseite des Bund Deutscher Radfahrer e.V.
Veröffentlicht am
22.07.2021 13:27:01

Road to Tokio: Buchmann will Möglichkeiten nutzen

Emanuel Buchmann will seine Chancen auf dem schweren Olympia-Kurs von Tokio nutzen. Foto: BDR
Emanuel Buchmann will seine Chancen auf dem schweren Olympia-Kurs von Tokio nutzen. Foto: BDR

Frankfurt (rad-net) - Am Freitag beginnen die Olympischen Spiele von Tokio. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) startet in den vier Disziplinen Bahn, BMX, Mountainbike und Straße. In unserer Serie der deutschen Olympia-Kandidaten präsentieren wir heute Emanuel Buchmann, der am Samstag im Straßenrennen starten wird.

«Es ist ein guter, aber ein schwerer Kurs. Auf jeden Fall bin ich motiviert, ein gutes Rennen zu fahren, nach den ganzen Rückschlägen in diesem Jahr», blickt Emanuel Buchmann mit Zuversicht auf das Olympische Straßenrennen am Samstag. «Mit etwas Glück ist an einem guten Tag alles möglich», sagt der Ravensburger, der seit Dienstag in Tokio weilt und bereits die erste Trainingseinheit unter die Räder genommen hat.

Die schwere Strecke, die vielen Steigungen, das ist nach dem Geschmack des 28-Jährigen, der erst am Sonntag die Tour de France beendet hat und anschließend direkt nach Japan geflogen ist. Eigentlich sollte sich Buchmann wie sein Teamkollege Maximilian Schachmann in Ruhe auf die Spiele vorbereiten. Aber es kam anders: Ein Sturz beim Giro, das vorzeitige Aus, da musste die Saisonplanung geändert werden. Und plötzlich fand sich Buchmann im Tour-Aufgebot seines Rennstalls Bora-hansgrohe. Nicht als Kapitän, sondern als Helfer für den Niederländer Wilco Kelderman, der die Große Schleife auf dem fünften Platz beendete. Buchmann, der als bester Deutscher Platz 33 belegte, war nicht zufrieden mit seinem Auftritt in Frankreich. Das lag vor allem daran, dass er sich nach der ersten Tour-Woche erkältete und nicht in Bestform auf die Bergetappen ging. In der letzten Woche kam die Form zurück, auf der letzten Pyrenäen-Etappe nach Luz Ardiden überzeugte er mit starkem Antritt, verlor auf den Tages- und späteren Tour-Sieger Tadej Pogacar nur etwas über eine Minute. Trotzdem sagte er: «Ich bin nicht zufrieden mit dieser Tour.» Ein Grund mehr, in Tokio alles zu geben.

Aber das tut Buchmann eigentlich immer. In Deutschland gibt es keinen Rennfahrer, der besser am Berg ist als der Ravensburger. Sein Talent zeichnete sich schon früh ab. Schon in der U23-Klasse war er einer der Besten. Bei einer Größe von 1,81 Metern und einem Gewicht von nur 62 Kilogramm ist er der ideale Kletterer. Privat ist Buchmann eher still und zurückhaltend. Mit seiner Freundin lebt er auf der österreichischen Seite des Bodensees.

2015 bestritt Buchmann, der seine Profilaufbahn bei Bora-hansgrohe begann und diesem Rennstall bis heute treu geblieben ist, seine erste Tour. Eine Woche zuvor war er Deutscher Straßenmeister geworden. Das gab Selbstvertrauen für die große Schleife, bei der er auf der Bergetappe von Pau nach Cauterets überzeugte. Diese elfte Etappe über den Col d'Aspin und den Tourmalet machte Buchmann international bekannt. Er hielt mit den Besten mit, ließ sich auch am Schlussanstieg nach Cauterets nicht abschütteln und belegte im Ziel Platz drei hinter Rafal Majka und Dan Martin. 2016 verpasste er nur knapp den Sprung unter die besten 20; 2017 war er bereits 15. 2018 verzichtete er zugunsten der Spanien-Rundfahrt (12.) auf einen Tour-Start. Und dann kam 2019: Buchmann glänzte in den Bergen, so wie man lange keinen deutschen Fahrer mehr in der Tour de France gesehen hatte. In Paris verpasste er als Gesamtvierter nur knapp das Podium. Das wollte er im letzten Jahr erklimmen, aber dann bremste ihn nicht nur Corona aus, sondern auch die Folgen einer Verletzung durch einen Sturz in der Dauphiné-Rundfahrt. In der Tour konnte er nicht an die Leistungen des Vorjahres anknüpfen und belegte in Paris Platz 38.

In diesem Jahr stand die Tour nicht in seinem Terminkalender. Alles sah nach einer Top-Platzierung im Giro aus. Buchmann war in Top-Form, kletterte im Gesamtklassement immer weiter nach oben. Doch dann, auf der 15. Etappe, musste er nach einem schweren Sturz auf Platz sechs liegend den Giro vorzeitig beenden. Nachdem er wieder genesen war, rückte er noch ins Tour-Aufgebot. Ob die Große Schleife eine gute Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio war, wird sich am Samstag zeigen.


Zehn Fragen an Emanuel Buchmann

Was war dein bisher schönster sportlicher Erfolg?
Der vierte Platz in der Tour 2019.

Was motiviert dich?
Mich selbst immer weiter zu verbessern.

Welche Vorbilder hast du?
Keine.

Deine Lieblingsfächer in der Schule?
Mathematik.

Was ist dein Lieblingsessen?
Ich mag die italienische Küche.

Nenne deine persönliche Stärke/Schwäche:
Meine Stärken liegen in den Bergen, meine Schwäche sind die Sprints.

Auf was möchtest du nie verzichten?
Auf mein Fahrrad.

Was ist für dich ein perfekter Tag?
Ein gutes Frühstück, eine lockere Trainingsrunde und dann den Tag am Bodensee mit Freunden verbringen.

Welche Überschrift möchtest du gern einmal von dir lesen?
Emanuel Buchmann auf dem Podium der Tour.


Steckbrief Emanuel Buchmann

Team: Bora-hansgrohe
Geburtstag: 18.11.1992 in Ravensburg
Größe/Gewicht: 1,81 m / 62 kg
Wohnort: Lochau (AUT)
Erfolge:
2015: 1. DM Straße, Etappendritter Tour de France in Cauterets
2016: 21. Tour de France
2017: 15. Gesamtwertung Tour de France, 2. DM Straße, 10. Gesamtwertung Tour de Romandie, 7. Gesamtwertung Tour of the Alps, 1. Nachwuchswertung Dauphiné-Rundfahrt
2018: 9. Gesamtwertung Tour de Romandie, 7. Gesamtwertung Polen-Rundfahrt, 6. Gesamtwertung Dauphiné-Rundfahrt, 4. Gesamtwertung Baskenland-Rundfahrt, 12. Vuelta a España
2019: 4. Gesamtwertung Tour de France
2020: Sieger Trofeo Tramuntana
2021: 33. Tour de France