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Amtliches Organ und Medienpartner des BDR
Veröffentlicht am
10.07.2019 07:25:03

Greipel: «Viele können den Berg hochfahren - außer ich»

 
          André Greipel mischt bei den Sprintankünften nicht mehr vorne mit. Foto: Christophe Ena/AP
André Greipel mischt bei den Sprintankünften nicht mehr vorne mit. Foto: Christophe Ena/AP

Colmar (dpa) - Für André Greipel fühlt sich das alles an wie eine große Abschiedstour. Bei seiner neunten Teilnahme darf sich der 36 Jahre alte Routinier noch einmal in die Sprints werfen, die Berge hochquälen und im Zeitfahren schinden. Und dann nie wieder Tour de France?

«Ich gehe so rein, als ob es meine letzte Tour ist», sagt Radprofi Greipel. Vom erstklassigen Lotto-Team ist er zur neuen Saison zu Außenseiter Arkéa-Samsic gewechselt. Auch seine eigenen Leistungen haben nicht mehr viel mit dem kraftvollen Sprinter zu tun, der einst elf Tour-de-France-Etappen gewann.

«Mein Jahr war ziemlich durchwachsen. Ich habe einfach nicht die Leistung abrufen können, die ich gewohnt bin. Die letzten sechs Monate waren alles andere als einfach», monierte der früher so schnelle «Gorilla» - Greipels Spitzname. Für die Tour berief ihn Teamchef Emmanuel Hubert zwar trotzdem, für die großen Sprintsiege aus dem Peloton reichen Endgeschwindigkeit und Kraft nicht mehr.

Dass der Hürther überhaupt so schnell wieder fit wurde, ist eine große Überraschung. Bei der Tour-Generalprobe, dem Criterium du Dauphiné, hatte Greipel seinen Körper noch überfordert und kräftig gelitten. Eine Bakterien-Krankheit im Magen hatte dem Sprinter zuvor im Mai zu schaffen gemacht, er fühlte sich schlapp und fand nicht mehr zu Kräften. Während der Dauphiné habe ihn sein Körper gefragt: «Was machst du mit mir?», berichtete Greipel.

Bei der Tour läuft es bislang kaum besser. Rang 18 bei der ersten Sprintankunft in Brüssel, Platz 12 beim Massenfinale in Nancy am Dienstag. Für einen früheren Weltklassesprinter ist das ein sportlicher Flop. «Am Ende muss man bei einem solchen Sprint froh sein, dass man auf dem Rad geblieben ist», kommentierte Greipel in Nancy. Beim französischen Rennstall ist der gebürtige Rostocker quasi auf sich alleine gestellt, sein als Helfer eingeplanter Freund Robert Wagner fiel lange aus und kündigte nun bereits sein Karriereende an. «Das Rennfahren macht mir keinen Spaß mehr», begründete Wagner.

Das größte Radrennen der Welt bescherte Greipel schon so viele schöne Momente, unter anderem einen prestigeträchtigen Sieg beim Finale in Paris 2016, der wohl größte Erfolg seiner Karriere. «Der Sieg auf den Champs Élysées ist ein ganz spezieller. Das kann einem keiner mehr nehmen», sagte Greipel in wohliger Erinnerung.

In seiner neuen Heimat hat er sich schnell akklimatisiert, bei Medienterminen spricht er zwar langsam, aber sauber Französisch. «Ich habe in der Schule ganz gut aufgepasst», sagt der Routinier. Nur sportlich musste er mit steigendem Alter und sinkender Qualität eben den deutlichen Einschnitt hinnehmen. «Es wird nicht leichter mit dem Alter. Physisch bin ich immer noch der Alte, es ist mehr der mentale Aspekt, dass du nicht mehr das Risiko nimmst», sagte Greipel.

Die erste ganz schwere Bergetappe an diesem Donnerstag dürfte ihm bereits schwer zusetzen. «Sagan oder Viviani können den Berg hochfahren, viele gute Sprinter können den Berg gut hochfahren - außer ich», erklärte der Routinier.

Weil Arkéa-Samsic, wo Greipel auch für 2020 noch einen Vertrag hat, nur per Wilcard bei der Tour ist, stellt sich Greipel auf sein großes Tour-Finale schon in diesem Jahr ein. «Ich werde versuchen, nach Paris zu kommen. Ich versuche, etwas rauszuholen, wo etwas möglich ist», sagte er. Noch eine Etappe bei der Tour, das würde ihm reichen, erzählte Greipel mit einem leichten Grinsen. Doch danach sieht es wirklich nicht mehr aus.