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Veröffentlicht am
11.10.2021 14:57:56

Erath: «Hatte großes Glück nachdem ich ein bisschen Pech hatte»

Tanja Erath bei der Deutschen Meisterschaft im Zeitfahren. Foto: Dominic Reichert
Tanja Erath bei der Deutschen Meisterschaft im Zeitfahren. Foto: Dominic Reichert

Köln (rad-net) - Rund eine Woche nach ihrem schweren Sturz bei der Women's Tour 2021 hat sich die deutsche Fahrerin Tanja Erath (Tibco-SVB) zu Wort gemeldet. Die 31-Jährige war noch vergangene Woche von Großbritannien nach Köln transportiert worden, wo sie sich am morgigen Dienstag einer Operation unterziehen muss. Via «Instagram» berichtete die Fahrerin jetzt von ihrem Sturz und ihren Erfahrungen danach.

Erath war bei der Auftaktetappe der diesjährigen Women's Tour, vergangenen Montag, schwer gestürzt, nachdem eine Konkurrentin in sie hineingefahren war und sie damit von der Straße abgedrängt hatte. Die Deutsche stürzte kopfüber in einen Straßengraben, wobei sie sich am Schlüsselbein und an der Wirbelsäule verletzte. «Ich werde nicht lügen, ich hatte sofort extreme Schmerzen, aber noch mehr Panik, weil ich fühlen konnte, dass etwas mit meiner Brustwirbelsäule nicht stimmte», blickte die Fahrerin jetzt auf den Sturz zurück. «Ich konnte meine Beine spüren und bewegen, was mich zunächst beruhigte, aber trotzdem erklärte ich den Sanitätern, mich nur 'en bloc' zu mobilisieren, um meine Wirbelsäule zu schützen.»

Trotz dieser Aufforderung seitens Erath, die selbst Medizin studiert hat, seien jedoch bis zur Überführung in ein Krankenhaus keine Stabilisierungs- oder Vorsichtsmaßnahmen vorgenommen worden, so der Profi weiter: «Zu meiner Überraschung haben sie meine Aufforderung nicht befolgt und mich sogar zur Trage laufen lassen. [...] Danach wurde ich, ohne irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen für die Wirbelsäule, am Teamparkplatz entlassen, von wo mich unser Betreuer zur Notaufnahme gefahren hat. Vier Stunden später hatte ich dann einen ersten Kontakt zu einem Arzt, dem ich meine Sorge bezüglich einer Verletzung meiner Wirbelsäule mitteilte. Er nahm das schließlich ernst und verlangte eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule.»

Die Bildgebung habe schließlich gezeigt, dass sich Erath bei dem Sturz zwei Wirbel gebrochen hatte, sodass sie anschließend zusätzlich einem CT unterzogen wurde. Auch hier sei sie erneut zu Fuß hingegangen, bevor man sie «Seltsamerweise immer noch ohne jegliche Wirbelsäulen-Vorsorge und im Sitzen» in ein größeres Krankenhaus in Oxford verlegt hätte. Hier angekommen habe sich die Situation dann aber schlagartig verändert und die Fahrerin habe absolutes Bewegungsverbot erhalten: «Sie haben mich zu viert ins Bett gelegt. Danach habe ich mich mit der Bettpfanne angefreundet oder eher angefeindet und eine Menge englischen Tee verschüttet.»

In Oxford habe sie auch die Nachricht erhalten, dass eine der beiden Wirbelfrakturen instabil sei und dadurch zusätzlich zum Schlüsselbeinbruch operiert werden müsse. Nach einem Rücktransport nach Deutschland, ins Krankenhaus der Kölner Uniklinik, sei diese Behandlung von den Spezialisten jedoch abgeraten worden. «Die beste Nachricht kam am Freitag: Nachdem unser Wirbelsäulenchirurg meine CT- und MRT-Aufnahmen begutachtet und mit den Spezialisten der Uniklinik Köln gesprochen hat, ist die Entscheidung gefallen, dass der Bruch konservativ behandelt wird mit regelmäßigen Röntgenkontrollen, um zu sehen, ob sich der Bruch bewegt oder irgendwie verschlimmert», berichtete Erath weiter. Der Schlüsselbeinbruch hingegen werde am morgigen Dienstag operiert.

Insgesamt zeigten sich Fahrerin und Mannschaft in Anbetracht der Situation jedoch zufrieden. Während Rachel Hedderman, Sportdirektorin bei Tibco-Silicon Valley Bank schon vergangenen Freitag vermutete, dass Erath bereits in ein paar Wochen wieder auf dem Rad sitzen werde, fasste die Fahrerin die Situation wie folgt zusammen: «Ich schätze, ich hatte großes Glück, nachdem ich ein bisschen Pech hatte. Ich habe wieder eine Menge gelernt. Lebenslektionen, die mich zu einer besseren Ärztin machen werden.»