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Erik Zabel verkündet auf einer Pressekonferenz seinen Rückzug von der Radsportfront.
26.09.2008 16:54
Zabel tritt zurück - Letztes Rennen am 3. Oktober

Varese (dpa) - Noch einmal gab es ein grelles Blitzlicht-Gewitter mit Erik Zabel im Mittelpunkt: Nach 16 Profijahren hat der 38-jährige Berliner in Varese einen Schlussstrich unter seine bemerkenswerte Karriere gezogen.

Am Sonntag bei der Straßen-WM tritt der zweimalige Vize-Weltmeister, der nach rund 200 Karriere-Siegen in Norditalien bei seinem finalen «Hurra» nicht mehr zum Kreis der Favoriten zählt, zum letzten Mal auf die ganz große Bühne. Sein letztes Rennen in Deutschland wird Zabel am 3. Oktober beim Münsterland-Giro in Münster bestreiten, international ist am 12. Oktober nach Paris-Tour Schluss.

Seinen Abschied auf zwei Rädern wird Zabel noch bei mehreren Sechstage-Rennen verlängern. Eine Weiterbeschäftigung in seinem Milram-Team auf anderer Ebene wird es aber trotz warmer Worte der Entscheidungsträger nicht geben. Im kommenden Jahr beginnt Zabels neues Betätigungsfeld als «Marken-Botschafter» für den Sportbrillen-Hersteller «Rudys Projekt» und den Fahrrad-Produzenten «Canyon».

«Ich hatte in diesem Jahr viel Spaß am Radsport und konnte auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz fahren. Ich weiß nicht, ob das in einer weiteren Saison noch möglich wäre und denke, dass dies daher der richtige Moment ist, um aufzuhören», sagte Zabel am Freitag in Varese. Er bedankte sich auch bei seinem Milram-Team, «in dem ich auch in schwierigeren Zeiten Rückhalt und Unterstützung erfahren habe».

Damit meinte der 38-Jährige, der lange Jahre seiner Karriere im Telekom- und T-Mobile-Team im Schatten des Tour-Siegers Jan Ullrich stand, die Nachwehen seiner tränenreichen TV-Doping-Beichte vom 24. Mai vorigen Jahres. Die hatte ihn viele Punkte in der Beliebtheits-Skala gekostet, weil sie als «Soft-Geständnis» verstanden wurde, die nur bis zur Bewährungsgrenze reichte. Auf die Frage, ob das Eingeständnis in dieser Form ein Fehler war, sagte er: «Ein Fehler war, was ich tat, und dass ich es erst so spät zugab.»

«Mit Erik Zabel verliert nicht nur das Team Milram, sondern der gesamte Profisport einen bedeutenden Athleten. Wir bedanken uns für die tolle Zusammenarbeit in den letzten drei Jahren», sagte Team- Manager Gerry van Gerwen. Auch Martin Mischel, Vorstandsmitglied des Milchwirtschafts-Betriebs aus Bremen, der am Freitag etwas verspätet zum Zabel-Abschied anreiste, spendete Lob: «Mit ihm geht eine Ära des deutschen Radsports zu Ende. Er steht für eine erfolgreiche Etablierung unserer Marke im Radsport.»

Der Erfolgshunger des «Marathon-Mannes» Zabel, der von Februar bis Oktober stets Top-Leistungen bot und gerade im Gegensatz zum eher zu einer Laxheit neigenden Ullrich als Zuverlässigkeit in Person galt, schien lange unstillbar. Erst in den vergangenen Jahren versöhnte sich der Ehrgeizling aus dem (Ost-)Berliner Bezirk Prenzlauer Berg mit den immer häufiger werdenden zweiten und dritten Plätzen. Seine Rücktritts-Entscheidung («Ich gehe als Freund des Radsport») hatte er kurz nach seiner 14. und letzten Tour de France Ende Juli getroffen.

Zabels Erfolgsliste ist beispiellos: Er gewann in Frankreich 12 Tour-Etappen, viermal seinen Lieblings-Klassiker Mailand-San Remo, dreimal Paris-Tours, je einmal die Hamburg Cyclassics und das Amstel Gold-Race. Zudem ist er als sechsfacher Gewinner des Grünen Trikots in Serie immer noch Rekordhalter in der Tour-Punktewertung. In diesem Jahr verbuchte der zweimalige Vize-Weltmeister und «Sportler des Jahres» 2001 bei der Valencia-Rundfahrt einen Saisonsieg.

Sportlich verpasste Zabel nur ein Ziel: Er wurde nie Weltmeister und damit Nachfolger der beiden deutschen Titelträger Heinz Müller (1952) und Rudi Altig (1966). Auch am Sonntag zum WM-Finale in Varese über 260 Kilometer ist kaum mit ihm als Titelträger zu rechnen. Die Augen werden eher auf den zweifachen Campione Paolo Bettini (Italien) oder ProTour-Sieger Alejandro Valverde (Spanien) gerichtet sein.

Der WM-Dritte von Stuttgart, Stefan Schumacher (Nürtingen), kann sich immerhin Außenseiter-Chancen ausrechnen. Zabel wird sich in seinem zehnten und letzten WM-Auftritt für den Schwaben als wahrer Teamplayer ins Zeug legen, hofft aber insgeheim auf eine Überraschung: «Ich bin wohl nicht der Topfavorit, aber vielleicht offenbart gerade diese Konstellation ungeahnte Chancen.»


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